Polanski und die Trainerdiskussion bei Borussia Mönchengladbach
Eugen Polanski soll Borussia Mönchengladbach aus der aktuellen Krise führen. Sollte der beliebte Trainer scheitern, gibt es bereits einen logischen Nachfolger.
Mönchengladbach – Rouven Schröder, der neue Sportchef von Borussia Mönchengladbach, hat in seinen ersten Tagen klare Verhältnisse geschaffen. Er bezeichnete Eugen Polanski als „Cheftrainer“ und betonte, dass es keinen festgelegten Zeitrahmen für die Entscheidung über die Zukunft des Nachfolgers von Gerardo Seoane gibt. Die grundsätzliche Überzeugung in Polanskis Fähigkeiten ist vorhanden.
Schröder ist sich jedoch bewusst, dass Polanski bis zur Länderspielpause gegen den FC Bayern, FC St. Pauli und 1. FC Köln dringend Siege einfahren muss. Andernfalls wird Gladbach nicht um eine Trainerdiskussion herumkommen. Die Mannschaft befindet sich im Abstiegskampf und könnte nach dem Derby gegen den Effzeh im schlimmsten Fall 17 Spiele am Stück ohne Sieg bleiben.
Eine Trainerdiskussion ist für niemanden angenehm, doch sie begleitet Polanski seit seiner „Bis auf Weiteres“-Beförderung im September. Der ehemalige Profi geht gelassen mit seiner Situation um und konzentriert sich auf die Arbeit mit der Mannschaft, die er jedoch häufiger kritisieren muss, als ihm lieb ist.
In seinen ersten vier Spielen konnte Polanski keinen Umschwung herbeiführen und ist sich der drängenden Zeit bewusst. Sollte er weiterhin erfolglos bleiben und Schröder gezwungen sein, erneut einen Trainerwechsel vorzunehmen, gibt es bereits einen potenziellen Nachfolger, der Gladbach vorerst in ruhigere Gewässer führen könnte.
Urs Fischer, seit November 2023 vereinslos, ist heiß auf eine neue Herausforderung. „Die tägliche Arbeit auf dem Platz fehlt mir“, äußerte der Schweizer Mitte Oktober in einem Interview mit dem Portal Transfermarkt. Obwohl diese Lösung nicht besonders kreativ erscheint, bringt Fischer drei entscheidende Eigenschaften mit, die für die Herausforderung in Borussia Mönchengladbach wichtig sind.
Die dringendste Aufgabe besteht darin, die Defensive zu stabilisieren. Gladbach hat in dieser Saison bereits die dritthöchste Anzahl an Gegentoren aller Bundesligisten kassiert (15) und ist seit Jahren für seine hohe Anfälligkeit bekannt. Seit der Saison 2020/21 hat die Mannschaft in jeder Spielzeit mindestens 50 Gegentore erhalten.
Fischers Bilanz mit Union Berlin zeigt, dass die Eisernen in der Bundesliga 2019/20 58 Gegentore kassierten und sich in den folgenden Jahren auf 43 (2020/21), 44 (2021/22) sowie 38 (2022/23) steigerten. Während seiner fünf Jahre in Köpenick stand er für eine stabile Abwehr, die ihre Offensivkollegen mit gezielten langen Bällen versorgte. Dieses Konzept war effektiv und führte Union bis in die Champions League.
Obwohl in Gladbach niemand von der Champions League träumt, legte auch Lucien Favre großen Wert auf defensive Stabilität und gezieltes Umschaltspiel. Ein weiterer Pluspunkt für Fischer ist seine Fähigkeit, das Spiel weiterzuentwickeln. Während seiner zwei Jahre beim FC Basel (2015 bis 2017) ließ er dominanten Fußball spielen, der von einer nationalen Spitzenmannschaft erwartet wird.
„In Basel haben wir Rekorde aufgestellt. Das war möglich, weil ich mit den vorhandenen Talenten und dem Umfeld gearbeitet habe“, sagte Fischer und betonte: „Ich will keinen Stil erzwingen, der mit den vorhandenen Spielern nicht funktioniert. Wenn man mir die richtigen Mittel und Personen gibt, strebe ich immer nach Spielentwicklung, attraktivem Fußball und einer klaren Handschrift.“
Zudem strahlt Fischer eine bemerkenswerte Ruhe aus. Seit 2010 hat er insgesamt 512 Pflichtspiele als Trainer absolviert und dabei mit Teams auf unterschiedlichen Leistungsniveaus gearbeitet. Sein großer Erfahrungsschatz könnte besonders im Abstiegskampf von Nutzen sein.
Wenn die Ergebnisse weiterhin gegen Polanski sprechen und ein neuer Impuls notwendig wird, benötigt Gladbach einen Trainer mit einer klaren Spielidee und Erfahrung. Es braucht jemanden, der ein gutes Gespür für seine Spieler hat, sie in der Öffentlichkeit schützt und den Druck von der Mannschaft nimmt. Daher sollte Borussia in Erwägung ziehen, Gespräche mit Fischer aufzunehmen.