Schockierendes Ausscheiden der DFB-Elf bei der WM 2026
Die DFB-Elf gehörte bei der WM 2026 nicht zu den Favoriten, dennoch war das frühe Ausscheiden ein Schock. Ein Kommentar zur nun stattfindenden "gnadenlosen Abrechnung".
Boston – Einen deutschen Fußball-Weltmeister 2026 hatten selbst die größten Optimisten unter den Fachkundigen nicht erwartet. Bereits seit der Auslosung des Turniers Ende 2025 kursierte das Szenario eines Ausscheidens im WM-Achtelfinale, da mit Frankreich einer der absoluten Topfavoriten auf das DFB-Team wartete.
Bei einem knappen Ausscheiden wäre die Kritik an Julian Nagelsmann und seiner Mannschaft wohl eher zurückhaltend ausgefallen. Angesichts der starken Form der Equipe Tricolore schien jedoch auch ein heftiges Debakel und eine vernichtende öffentliche Abrechnung mit dem aktuellen Team des viermaligen Weltmeisters möglich.
Nach der Sechzehntelfinal-Niederlage in Boston gegen eine begrenzte Mannschaft aus Paraguay trat dieses Worst-Case-Szenario bereits fünf Tage früher ein. Besonders hart trifft es den verantwortlichen Bundestrainer. Dies mussten bereits Nagelsmanns Vorgänger Jogi Löw und Hansi Flick, der 2014 Weltmeistertrainer war, erfahren. Auch Legenden wie Helmut Schön, Jupp Derwall und Rudi Völler blieben von solch einem Schicksal nicht verschont, doch die Ausmaße scheinen von Mal zu Mal extremer zu werden.
War der Ex-FCB-Trainer zu Beginn seiner Amtszeit noch als große Hoffnungsträger angesehen, scheint er mittlerweile alles falsch gemacht zu haben. Selbst Aussagen nach der sportlich erfolgreichen EM 2024, dass der WM-Titel in zwei Jahren das Ziel sei, werden ihm nun um die Ohren gehauen. ZDF-Expertin Fritzy Kromp kritisierte Nagelsmann, er habe Nick Woltemade „gekillt“, indem er den Newcastle-Profi zum Elfmeterschießen antreten ließ. Diese Aussage war mehr als fragwürdig, und Christian Streich, der neben ihr saß, schien sichtlich betroffen.
Das vorzeitige Ausscheiden ist für den deutschen Fußball ein Schock, insbesondere weil die Leistungen vor dem Turnier, einschließlich eines 6:0-Siegs gegen die Slowakei im entscheidenden WM-Quali-Spiel sowie Testspielsiegen über die WM-Teilnehmer Schweiz (4:3), Ghana (2:1) und die USA (2:1), durchaus vielversprechend waren.
Mit den beiden Siegen über Curacao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) zum Turnierstart war die DFB-Elf nur einen Erfolg von der Einstellung des Allzeit-DFB-Rekords mit zwölf Siegen in Folge entfernt. Diese Serie weckte offensichtlich trügerische Hoffnungen, die nun auf bitterste Weise enttäuscht wurden.
Bei der Nominierung des 26-Mann-Kaders handelten Nagelsmann und sein Team sicherlich mit dem besten Gewissen nach dem Motto: „Wir wollen das Unmögliche schaffen und Weltmeister werden“. So kam auch das heftig kritisierte Comeback des „Torwart-GOAT“ Manuel Neuer zustande. Es blieb jedoch ohne den gewünschten Erfolg, auch wenn zum Ende des Elfmeterschießens gegen Paraguay plötzlich Hoffnung aufkeimte.
Vor den K.-o.-Spielen gab es bereits Stimmen, die die Nichtnominierung des Kölners Said El Mala kritisierten. Der Spielstil des 19-Jährigen hätte jedoch nicht zu den defensiv orientierten Südamerikanern gepasst. Die Verletzungen von Serge Gnabry, Lennart Karl und Nico Schlotterbeck waren bitter, ihre Verfügbarkeit hätte jedoch wohl nicht entscheidend zu einem besseren Abschneiden beigetragen.
Wenn die beiden einzigen deutschen Weltklassespieler, Jamal Musiala und Florian Wirtz, so weit von ihrer Bestform entfernt sind wie in den USA, dann kann selbst der beste Trainer mit den derzeit verfügbaren deutschen Fußballern wenig erreichen.
Nagelsmann müsste fast schon ein Masochist sein, wenn er trotz der heftigen Kritik weiterhin das Amt des Bundestrainers ausüben möchte. Ob neben dem 40-jährigen Neuer auch die zahlreichen anderen Spieler, die zum Rücktritt aufgefordert werden, darunter Antonio Rüdiger, Leroy Sané, Leon Goretzka, sowie Serge Gnabry und Kapitän Joshua Kimmich, diesem nicht immer sachlich vorgetragenen Rat folgen werden, bleibt abzuwarten. Einige werden sicherlich ihren Schlussstrich ziehen.
In der Öffentlichkeit kursieren bereits ganze Listen mit Vorschlägen für Nagelsmanns Nachfolge. Viele der genannten Kandidaten haben selbst eine bemerkenswerte Liste an eigenen Entlassungen vorzuweisen. Der Topkandidat ist jedoch ohne Zweifel Jürgen Klopp, der möglicherweise bereits eine schweißtreibende Nacht hinter sich hat, in der ihn der Albtraum einer gescheiterten EM-Qualifikation 2028 gequält hat. Auch Christian Streich wurde von Katrin Müller-Hohenstein in der ZDF-Expertenrunde ins Gespräch gebracht, woraufhin die Freiburg-Legende sichtlich nervös wurde.
Wer nun tatsächlich glaubt, ein Trainerwechsel würde die deutsche Nationalmannschaft wieder auf Erfolgskurs bringen, handelt aus großer Naivität. Auch der neue „Heilsbringer“ wird sich die Haare raufen, wenn er feststellen muss, dass „Notnagel“ Kimmich die derzeit einzig vernünftige Option auf der Rechtsverteidigerposition ist, obwohl seine Fähigkeiten dort wenig zur Geltung kommen und seine Schwächen gefährlich werden können.
Die Strukturen der heutigen Leistungszentren im deutschen Nachwuchsfußball werden nun ebenfalls scharf kritisiert, und man vermisst die Straßenfußballer. Dies ist jedoch nicht die Schuld dieser NLZ, denn diese wurden eher an die Millionen an PlayStations verloren. Der Rückgang des deutschen Spitzenfußballs in Bezug auf nationale Spieler ist schließlich kein spezifisches deutsches Phänomen; er betrifft auch zahlreiche andere Sportarten, in denen Deutschland früher Weltspitze war.
Der Rückgang des deutschen Spitzensports in vielen Bereichen wird eindrucksvoll durch die Medaillenspiegel der Olympischen Spiele seit 1992 dokumentiert. Bei den Winterspielen in Albertville und den Sommerspielen in Barcelona traten damals zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung gemeinsame deutsche Mannschaften an – äußerst erfolgreich. Während die Winterolympioniken den ersten Platz belegten, fanden sich die Sommerathleten auf einem beachtlichen dritten Rang im Medaillenspiegel wieder.
Dass diese Stellung insbesondere durch das Erstarken der Chinesen bei den Sommerspielen nicht gehalten werden konnte, ist wenig verwunderlich; die gesamte Entwicklung ist jedoch äußerst negativ. In Atlanta 1996 konnte noch einmal der dritte Platz hinter den US-Amerikanern und Russen gehalten werden, von 2000 bis 2016 belegten die deutschen Sommerolympioniken in der Gesamtwertung abwechselnd den fünften und sechsten Rang. 2020 (2021) in Tokio war es nur noch der neunte, 2024 in Paris – trotz Russlands Abwesenheit – nur der zehnte Platz. Wohin die weitere Tendenz geht, ist klar.
Oberflächlich betrachtet stehen die Wintersportler besser da: Von 1992 bis 2022 belegten sie im Medaillenspiegel mit zwei Ausnahmen immer einen der ersten beiden Plätze. Bei den diesjährigen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo war es jedoch nur noch der fünfte Rang im Endklassement. Und wären die deutschen Athleten im Eiskanal nicht so überragend, wäre der Absturz der Wintersportler sogar noch gravierender.