Sebastian Hoeneß und die Herausforderungen beim VfB Stuttgart
Sebastian Hoeneß identifiziert sich voll und ganz mit dem VfB Stuttgart, doch seine Amtszeit verläuft trotz des großen Erfolgs nicht ohne Herausforderungen.
Stuttgart – Es gab sicherlich einen Moment, in dem Sebastian Hoeneß an vielem gezweifelt hat. Dies geschah, als ihm die Vereinsführung des VfB Stuttgart, bestehend aus Alexander Wehrle und Fabian Wohlgemuth, den Abgang von Nick Woltemade mitteilte. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Zustimmung zu diesem Wechsel unerlässlich, jedoch ärgert sich Hoeneß als Trainer über solche Entscheidungen.
Für ihn stand der Abgang von Woltemade im Widerspruch zu den Plänen des VfB. „Wir hatten uns vorgenommen, den Kader nach mehreren Transferperioden, in denen es Abgänge gab, zusammenzuhalten. Wir wollten die Substanz bewahren und die Spitze mit Erfahrung und Führung verstärken“, sagte der Coach in seiner ersten Pressekonferenz nach dem Transfer.
Damals wirkte er, als hätte er an den langfristigen Zielen des Vereins gezweifelt. Vielleicht dachte er sogar darüber nach, ob er seine Vertragsverlängerung bis 2028 bereuen müsste. Im März dieses Jahres hatte er den Vertrag ohne Ausstiegsklausel verlängert. Doch zum Naturell des Trainers gehört es, schnell umzuschalten. Bereits wenige Tage später richtete er seinen Blick wieder nach vorne.
Mit Bilal El Khannouss erhielt er zwar erst spät (am Deadline Day) einen herausragenden Spieler für die Offensive, aber er bekam ihn. Und der VfB unter Hoeneß funktioniert weiterhin. Auch ohne den nach Trainerangaben noch fehlenden Stürmer hat der VfB im DFB-Pokal überwintern können, ist in der Europa League auf Play-off-Kurs und hat in der Bundesliga den Anschluss an die Spitzengruppe gefunden.
Die Frage stellt sich, ob Hoeneß mit dem VfB bereits alles erreicht hat. Immerhin hat er die Schwaben vom drohenden Abstieg zur Vizemeisterschaft geführt, und das mit der punktbesten Stuttgarter Saison in der Vereinsgeschichte. Mit 73 Punkten haben andere Klubs bereits den Titel gewonnen.
Im Folgejahr genossen die Stuttgarter die Reise in die Champions League und feierten am Ende den Gewinn des DFB-Pokals. Sportlich hat der VfB also gleich mehrere Schritte nach vorne gemacht. Auch finanziell hat der Verein deutliche Sprünge gemacht: Der Gesamtwert des Klubs hat sich seit August 2023 von 136,5 Millionen Euro um 149 Prozent auf 339,43 Millionen Euro erhöht. Dennoch belegt der VfB im Ligavergleich nur den sechsten Platz, was dem aktuellen Tabellenstand entspricht.
Sind die Möglichkeiten für Hoeneß beim VfB also ausgeschöpft? Das hängt davon ab. Die Perspektive ist, den Klub mindestens auf dem aktuellen Niveau zu halten und dabei kleine Fortschritte zu erzielen. Auch für Außergewöhnliches hat der VfB Potenzial, insbesondere in Bezug auf ein mögliches weiteres DFB-Pokalfinale.
Ein weiteres Highlight könnte das Europa-League-Finale in Istanbul sein, wobei Jamie Leweling bereits den Titelgewinn als Ziel ausgegeben hat. Für Hoeneß wird es jedoch schwierig, in Stuttgart mehr zu erreichen, insbesondere solange der VfB Talente wie Nick Woltemade abgibt. An einen Abschied denkt er jedoch nicht, wie sein Vater und Berater Dieter Hoeneß im SWR versicherte.
„Darüber machen wir uns im Moment keine Gedanken. Sebastian fühlt sich hier pudelwohl. Er hat gerade umgezogen und ein neues Zuhause gefunden.“ Es ist jedoch klar, dass es kein dauerhaftes Bekenntnis gibt. Dieter Hoeneß fügte hinzu: „Natürlich wird Sebastian irgendwann nicht mehr Trainer beim VfB sein, und es ist durchaus denkbar, dass er dann bei einem anderen Top-Klub tätig ist.“