Julian Weigl und die Zukunft des Gladbacher Mittelfelds

Julian Weigl und die Zukunft des Gladbacher Mittelfelds

Julian Weigl musste beim ersten Spiel von Borussia Mönchengladbach zuschauen, was Trainer Gerardo Seoane möglicherweise zu einer wichtigen Erkenntnis geführt hat.

Mönchengladbach – Seit dem vergangenen Sonntag ist Julian Weigl das zentrale Thema bei Borussia Mönchengladbach. Der ehemalige Vizekapitän beobachtete den 3:2-Sieg im DFB-Pokal gegen Atlas Delmenhorst von der Bank aus, da Trainer Gerardo Seoane im zentralen Mittelfeld offenbar andere Pläne verfolgt.

Auf der Doppelsechs begannen der neue Vizekapitän Rocco Reitz und Philipp Sander, der an Weigls Stelle in den Mannschaftsrat berufen wurde. Sander hat in der letzten Saison eine positive Entwicklung durchlaufen und konnte sich nach seinem Wechsel von Holstein Kiel in der Bundesliga etablieren.

Bereits in der vergangenen Spielzeit gab es unter den Fans Forderungen nach einer Besetzung des Zentrums durch Reitz und Sander. Viele werden beim Blick auf die Startaufstellung gegen Delmenhorst gedacht haben, dass sie endlich erhört wurden. Sander hat sich in der Rückrunde als wichtiger Stabilisator erwiesen, während Reitz als „Aggressive Leader“ und Identifikationsfigur gilt.

Weigl bildete zusammen mit Jonas Omlin, Florian Neuhaus und Marvin Friedrich eine kostspielige Bank. Dieses Quartett kam gegen den Oberligisten nicht zum Einsatz, stattdessen wurden unter anderem Jens Castrop, Oscar Fraulo und Fabio Chiarodia eingewechselt. Seoane scheint in Gladbach eine kleine Zeitenwende einzuleiten, doch die Degradierung Weigls könnte zu einer wichtigen Erkenntnis führen.

Wer dachte, dass ohne den bisherigen Dauerbrenner die Probleme im Spiel gegen den Ball verschwinden würden, hat sich getäuscht. Weigls Defizite in der Abwehrarbeit sind nicht zu vernachlässigen, jedoch scheinen die Probleme tiefer verwurzelt zu sein, denn auch in seiner Abwesenheit wurde das Zentrum gegen Delmenhorst mehrfach zu leicht überspielt.

Es ist ebenso möglich, dass die Kombination aus Reitz und Sander im weiteren Verlauf der Saison zu mehr Stabilität führen wird. Dennoch fehlt im Gladbacher Mittelfeld weiterhin ein Abräumer, der den vorderen Spielern den Rücken freihält. Der Begriff „Reparierer“ wird in diesem Zusammenhang häufig genannt.

Sander könnte möglicherweise in diese Rolle hineinwachsen. Der Ex-Kieler kann tiefere Positionen einnehmen, was ihn im Aufbauspiel wichtig macht, und könnte auch defensiv punkten. Reitz und Castrop hingegen sind aggressive Spielertypen, die ihre Stärken im Vorwärtsverteidigen suchen und durch hohe Ballgewinne überzeugen.

Als Roland Virkus im Trainingslager 2024 auf die Bilanz von 67 Gegentoren in der vorherigen Saison 2023/24 angesprochen wurde, erklärte der Sport-Geschäftsführer, dass das Problem durch verändertes Personal, neue Strukturen oder eine Kombination aus beidem angegangen werden könne. Letzteres wäre vermutlich der effektivste Weg, um die Lücken auf der Doppelsechs zu schließen.

Das Mittelfeld bereitet Seoane seit seinem Amtsantritt im Sommer 2023 Sorgen. Zu Beginn setzte der Trainer auf Weigl und Florian Neuhaus, bevor ein Dreigespann aus Weigl, Reitz und Manu Koné federführend wurde. Letzterer wechselte 2024 zur AS Rom, weshalb häufig Weigl und Reitz auf der Doppelsechs agierten. Solange ein klarer Sechser fehlt, drohen die Probleme weiterhin zu bestehen.

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