Julian Weigl vor einer entscheidenden Wende bei Borussia Mönchengladbach

Julian Weigl vor einer entscheidenden Wende bei Borussia Mönchengladbach

Julian Weigl musste beim 3:2-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Atlas Delmenhorst auf der Bank zusehen. Der Mittelfeldspieler steht möglicherweise an einem Wendepunkt seiner Karriere.

Mönchengladbach – Die Neuvergabe der Kapitänsbinde durch Trainer Gerardo Seoane war ein klares Zeichen. Anstelle von Jonas Omlin und Julian Weigl gehen Tim Kleindienst und Rocco Reitz als neue Spielführer von Borussia Mönchengladbach voran. Für die ehemaligen Kapitäne kommt die Entscheidung besonders hart.

Omlin wurde zur Nummer zwei degradiert, während Weigl um seinen Stammplatz bangen muss. Seit Borussia den zentralen Mittelfeldspieler 2022 von Benfica ausgeliehen und 2023 fest verpflichtet hat, war er in jeder Saison gesetzt. Weigl sollte eine Schlüsselrolle einnehmen und das Spiel der Gladbacher lenken.

Am Ende der vergangenen Saison kam Seoane offenbar zu der Erkenntnis, dass die Doppelsechs auch ohne Weigl funktionieren kann. Bereits beim Jubiläumsspiel gegen den FC Valencia, dem prestigeträchtigsten Testspiel der Vorbereitung, saß der ehemalige Vize-Kapitän auf der Bank. Dies wiederholte sich beim Pflichtspielauftakt gegen Atlas Delmenhorst im DFB-Pokal.

In diesem Spiel spielten Reitz und Philipp Sander im zentralen Mittelfeld, während Weigl nur einen Platz auf der Bank einnehmen konnte – ebenso wie Jens Castrop, Oscar Fraulo und Florian Neuhaus. Anstatt im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt zu werden und seine einst angedachte Rolle als Taktgeber zu übernehmen, blieb Weigl ohne Einsatz.

In der 84. Minute wurde Castrop für Sander eingewechselt, in der Nachspielzeit kam Fraulo für Kevin Stöger ins Spiel. „Auf der zentralen Mittelfeldposition haben wir viele Spieler mit unterschiedlichen Profilen, das war einfach eine sportliche Entscheidung heute“, erklärte Seoane nach dem Spiel bei Sky über Weigls Situation.

Für den Trainer ist die Situation relativ nüchtern, doch für Teile der Fans ist Weigls Rückstufung überraschend. Noch vor drei Monaten galt der 29-Jährige als unverzichtbarer Spieler, jetzt ist er nicht einmal mehr im Mannschaftsrat und muss um seinen Platz in der Startelf kämpfen.

Reitz hat in der Hierarchie zu Weigl aufgeschlossen, und allein aus sportlichen Gründen muss der 23-Jährige fester Bestandteil des Kaders sein. Zudem hat Sander seit der Rückrunde der letzten Saison Druck gemacht – möglicherweise hat ihm als stabilisierendes Element etwas gefehlt, als Borussia ab April plötzlich nicht mehr funktionierte.

Mit Castrop hat Gladbach einen weiteren Konkurrenten verpflichtet, der sich erst in der Bundesliga beweisen muss. Mit seinem Tempo und seiner Aggressivität gegen den Ball bringt er Qualitäten mit, die Weigl nicht hat. Dass selbst der Neuzugang am Sonntag den Vorzug erhielt, rundet die negative Woche für den ehemaligen Leistungsträger ab.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass der einst Gejagte nun zum Jäger geworden ist. Weigl muss Argumente liefern, um regelmäßig in der Startelf zu stehen und Sander zu verdrängen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, welchen Druck Castrop ausüben wird und ob Neuhaus tatsächlich noch eine Chance erhalten sollte. Den Auftakt hat sich Weigl anders vorgestellt, doch es bleibt genügend Zeit, um das Blatt zu wenden.

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