Polanski unter Druck: Gladbachs Trainerbilanz nach vier Spielen
Nach vier Spielen als Trainer von Borussia Mönchengladbach stellt sich zunehmend die Frage, ob Eugen Polanski der richtige Mann für die Fohlen-Elf ist.
Seit der Entlassung von Gerardo Seoane im September leitet Polanski das Training des Teams. Sowohl der ehemalige Sportchef Roland Virkus als auch sein Nachfolger Rouven Schröder, der letzte Woche seine Arbeit im Borussia-Park aufgenommen hat, zeigten sich von Polanskis Fähigkeiten überzeugt.
Allerdings gibt es nach den ersten vier Spielen bereits erste Zweifel an seiner Eignung, um Borussia aus der kritischen Lage zu befreien. „Wir haben schon ein bisschen was verändert“, erklärte Polanski nach der 1:3-Niederlage gegen Union Berlin, „aber die Ergebnisse müssen irgendwann auch mal erzielt werden.“
Zu Polanskis Stärken zählen seine Identifikation mit dem Klub, eine klare fußballerische Linie und seine emotionale Präsenz an der Seitenlinie. Sein offener Umgang mit den Medien ist ebenfalls positiv hervorzuheben. Charakterlich bringt der ehemalige Profi alle notwendigen Eigenschaften mit, um im kompetitiven Umfeld der Bundesliga erfolgreich zu sein.
Fußballerisch verfolgt Polanski einen interessanten Ansatz. Der ehemalige Mittelfeldspieler setzt auf einen ballorientierten Stil, bei dem der Gegner durch strukturierte Ballbesitzphasen unter Druck gesetzt wird, um dann mit Tempo die Räume auszunutzen. Gegen Union Berlin waren erste Fortschritte erkennbar, jedoch bleibt die Frage nach der Defensive bestehen.
Polanski hat es bislang versäumt, die Abwehr von Gladbach zu stabilisieren. Ob sein fußballerischer Ansatz in der aktuellen Situation der richtige ist, bleibt fraglich. Die bisherigen Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Unter seiner Führung blieb Borussia sieglos, sammelte zwar Punkte gegen Bayer Leverkusen (1:1) und den SC Freiburg (0:0), kassierte jedoch insgesamt neun Gegentore in den Spielen gegen Eintracht Frankfurt (4:6) und Union Berlin.
In vier Spielen musste Torhüter Moritz Nicolas zehnmal hinter sich greifen, da die Abwehr in vielen Situationen unkonzentriert agierte. Widerstandsfähigkeit, Zweikampfhärte und der Wille, die Null zu halten, waren gegen Frankfurt über weite Strecken nicht vorhanden, und auch gegen Union wirkte die Gladbacher Abwehr bei den Gegentoren nicht bundesligatauglich.
Obwohl Gladbach auch im Offensivbereich Baustellen hat, muss für einen sieglosen Tabellenletzten zunächst die Defensive stabilisiert werden. Ein ähnliches Vorgehen verfolgte Xabi Alonso, als er im Oktober 2022 bei Bayer Leverkusen Gerardo Seoane ablöste. Unter Seoane kassierte die Werkself in zwölf Pflichtspielen 23 Gegentore, während Alonso die Defensive auf 17 Gegentore verbesserte – acht davon fielen in den Spielen gegen den FC Porto (0:3) und Eintracht Frankfurt (1:5), während es unter ihm auch fünf Spiele ohne Gegentor gab.
Die bemerkenswerte Entwicklung von Eintracht Frankfurt, die vom Abstiegskandidaten zum DFB-Pokalsieger und späteren Europa-League-Sieger führte, war das Ergebnis der Aufbauarbeit von Niko Kovač. Auch der heutige Trainer von Borussia Dortmund erkannte die Notwendigkeit, defensiv stabil zu stehen. Nach seiner Übernahme kassierte Frankfurt in drei von elf Spielen mehr als ein Gegentor und musste insgesamt 13 Gegentreffer hinnehmen, rettete sich jedoch in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg (1:1, 1:0).
Wenn der FC Bayern am kommenden Wochenende auch im Borussia-Park seine Spielfreude zeigt und keine Gnade mit Gladbach kennt, könnte Polanski im fünften Spiel die Marke von Kovač brechen. Die Gerüchte um Urs Fischer sind daher nicht überraschend. Der 59-Jährige führte Union Berlin mit einer kompakten Defensive und gezielten Angriffen bis in die Champions League und bringt sowohl Erfahrung als auch eine ruhige Ausstrahlung mit.
„Wir wollen erfrischenden Fußball spielen, dafür hat Gladbach immer gestanden“, betonte der neue Sportchef Schröder am Freitagabend in Bezug auf seine Vorstellungen vom Borussen-Fußball. Offensichtlich sind jedoch antizyklische Maßnahmen erforderlich, um den dritten Abstieg nach 1999 und 2007 zu verhindern.