Werder Bremen besiegt HSV im Nordderby
Im Nordderby sicherte sich Werder Bremen einen wichtigen Sieg gegen den Hamburger SV, gestützt auf eine effektive mannorientierte Defensive und die Rückkehr eines Schlüsselspielers, der der Mannschaft zusätzliche Tiefe verlieh.
In Bremen – Das Duell zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV in dieser Rückrunde war von großer Bedeutung, unabhängig von der Rivalität der beiden Teams. Für beide Seiten war eine Niederlage nicht akzeptabel. Werders Vorsprung auf den Relegationsplatz war nach dem 1:1 von St. Pauli am Freitagabend auf nur zwei Punkte geschmolzen, während der HSV nach vier sieglosen Spielen lediglich drei Punkte vor Werder lag.
Am Samstagnachmittag war im Bremer Weserstadion viel auf dem Spiel. Diese Dramatik war von der ersten Minute an spürbar: Beide Mannschaften wollten Intensität zeigen, ohne dabei zu viele defensive Lücken zuzulassen. Lange Zeit war das Spiel von der Taktik beider Trainer geprägt, bevor die Spieler in der Schlussphase vom Derby-Fieber erfasst wurden. Eine entscheidende Frage für Werder Bremen war: Wird Jens Stage rechtzeitig für das Derby fit? Die Antwort war ein klares Ja! Trainer Daniel Thioune setzte ihn sofort in die Startelf ein. Werder begann mit einer Mischung aus 4-3-3 und 4-4-1-1, wobei die Positionierung von Stage entscheidend war. Er agierte zeitweise auf einer Höhe mit Cameron Puertas und zeigte häufig seine charakteristischen Vorstöße in die Spitze.
Der Hamburger SV startete zunächst in einem abwartenden 5-3-2-System, doch schnell wurde deutlich, dass Coach Merlin Polzin einige taktische Kniffe parat hatte. Bei Abstößen der Bremer spiegelte der HSV deren Aufbauspiel. Stürmer Robert Glatzel verschob nach rechts außen, während Albert Grønbaek aus dem Mittelfeld nach links vorstieß. Ransford-Yeboah Königsdörffer nahm in der Mitte den Bremer Sechser Senne Lynen in Manndeckung. So gelang es den Hamburgern, den Druck auf den Bremer Aufbau schrittweise zu erhöhen.
Werder Bremen hatte zeitweise Schwierigkeiten, das mannorientierte Pressing des HSV zu überwinden, wie in der 27. Minute, als der HSV den Ball tief in der Bremer Hälfte eroberte. Wenn die Bremer jedoch ins letzte Drittel vordrangen, geschah dies nahezu immer über die rechte Seite, wo sie Grønbaeks Vorstöße ausnutzten. Justin Njinmah positionierte sich breit, und Stage rückte ebenfalls auf diese Seite vor. Auf diese Weise schuf Werder Überzahlsituationen, von denen Njinmah profitierte, indem er mehrmals in Eins-gegen-Eins-Situationen gegen den Hamburger Außenverteidiger Miro Muheim gelangen konnte. Alternativ versuchten die Bremer, den Raum im Zentrum zu öffnen, jedoch hatten die Angreifer oft Schwierigkeiten, den Ball unter Druck zu kontrollieren. So blieb die rechte Seite die erfolgreichste Angriffsroute über die gesamte Spielzeit.
Defensiv setzte Werder Bremen auf ähnliche Mittel wie der HSV. Die Bremer Mittelfeldspieler deckten jeweils einen Gegenspieler, während Jens Stage weit aufrückte, um Nicolai Remberg zu verfolgen. Auch Cameron Puertas hielt seinen Gegner eng. Selbst Sechser Senne Lynen rückte häufig heraus. Die Hamburger versuchten nicht, das Pressing der Bremer mit kurzen Pässen zu umspielen, sondern spielten einige Querpässe, um die Bremer ins Pressing zu locken, gefolgt von langen Bällen, die fast immer in Richtung Glatzel flogen. Der 1,93 Meter große Stürmer setzte seinen Körper gegen Karim Coulibaly ein. Über weite Strecken konnten die Defensivspieler beider Teams die direkten Zweikämpfe für sich entscheiden. Die Tore kurz vor der Pause fielen jedoch nach dem Muster beider Teams: Werder Bremen leitete den Treffer durch eine Kombination über den rechten Flügel ein, als Stage eine Flanke von Yukinari Sugawara einköpfte (57.). Auf der anderen Seite setzte sich Glatzel nach einem langen Ball gegen Coulibaly durch und lief frei in den Bremer Strafraum (41.).
Nach der Pause zogen sich beide Teams zunächst zurück. Bei Werder Bremen positionierte sich Lynen merklich tiefer, um Coulibaly zu unterstützen und Jagd auf zweite Bälle zu machen. Der HSV verteidigte nun in einem raumorientierten 5-3-2 und achtete darauf, die Räume im Zentrum zu schließen. Werder war gezwungen, vermehrt über die Flügel zu agieren. In dieser Phase wurde Jens Stage zum Schlüsselspieler der Bremer Elf. Er half im Aufbauspiel auf beiden Seiten, Überzahlsituationen zu schaffen, und sprintete im weiteren Angriffsverlauf in den gegnerischen Strafraum, stets bereit, den Ball ins Tor zu befördern. Folgerichtig erzielte Bremens bester Spieler das 2:1 (57.). Es war keine Überraschung, dass auch dieses Tor über die rechte Seite eingeleitet wurde.
Mit der Führung im Rücken zog sich Werder Bremen weiter zurück. HSV-Trainer Polzin wechselte nach und nach Offensivspieler ein und stellte zunächst auf ein 3-4-3-System um. Nach der Roten Karte gegen Philip Otele (79.) löste der HSV seine Abwehrkette vollständig auf. Fortan agierten sechs der neun Hamburger Feldspieler in der Offensive, während nur zwei Verteidiger und Remberg absicherten. Thioune verstärkte die Defensive mit der Einwechslung von Niklas Stark (89.). Die Bremer verteidigten nun in einem 5-3-2-System. Doch in die Defensive gerieten die Bremer nicht mehr, sondern fuhren Konter um Konter gegen die kaum mehr vorhandene Absicherung der Gäste. Selbst nach Puertas Tor zum 3:1 in der Nachspielzeit hatte Werder noch Möglichkeiten, das Ergebnis zu erhöhen.
So geriet Werder Bremen nicht ins Schwimmen, als kurz vor dem Abpfiff noch einmal richtig Derbystimmung aufkam. VAR-Unterbrechungen, eine Rudelbildung und zahlreiche Verletzungspausen konnten die Bremer nicht aus dem Rhythmus bringen. Der Sieg war angesichts der Tabellensituation extrem wichtig, und dass es sich um einen Derbysieg handelte, machte den Erfolg umso süßer.